Wie sicher ist die Rente wirklich?

Als Norbert Blüm seinen berühmten Ausspruch “Die gesetzliche Rente ist sicher“ gemacht hat, hat er sicher selbst daran geglaubt. Immerhin sollten damit Bürger beziehungsweise das Wahlvolk nicht beunruhigt werden. Denn nicht wenige Experten warnten schon zu Blüms Zeiten vor einer negativen Entwicklung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Doch wie sieht es mit der Alternative kapitalgedeckte Altersvorsorge aus?

Spätestens die Finanzkrisen nach 2007 haben gezeigt, dass die gesetzliche Rentenversicherung diejenige Alterssicherungsform ist, die derartige Turbulenzen, ohne Schaden zu nehmen, überstehen kann. Es hat sich bewahrheitet, dass Geld nicht arbeitet, sondern vielmehr durch Arbeit entsteht.

Die staatlichen Leistungen zur Rente werden auch in den nächsten Jahren weiter sinken

Die staatlichen Leistungen zur Rente werden auch in den nächsten Jahren weiter sinken

Sicher ist allerdings nur, das es auch in Zukunft noch Leistungen aus der staatlichen Altersversicherung gibt. Doch deren Höhe wird sich für jeden neuen Jahrgang stetig verringern. Wenn die Arbeitsministerin der Bundesregierung im Sommer 2012 bekannt gibt, dass im Jahr 2030 viele Arbeitnehmer (2.500 Euro Bruttoverdienst, 35 Jahre Vollzeitarbeit) nur eine Rentenleistung in Höhe der Grundsicherung (weniger als 700 Euro) erhalten, scheint die Zahlung sichergestellt zu sein. Doch andererseits bedeuten für einen Rentner 700 Euro monatliches Einkommen, dass er zum Sozialamt beziehungsweise Grundsicherungsamt gehen muss. Zu verdanken hat man das der Absenkung des Rentenniveaus. Im Jahr 2030 werden die gesetzlichen Alterseinkünfte bei nur noch 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns liegen. Um die volle Rente zu bekommen, muss man bis zu einem Alter von 67 Jahren arbeiten. Das wird nicht zuletzt mit der demografischen Entwicklung in Deutschland begründet. Die Zahl der Rentner nimmt stetig zu, die der Beitragszahler hingegen ab. Mit einem Rentenbeitrag allein können die Renten einzelner oder gar mehrerer Rentner nicht bezahlt werden.

Bereits lange vor 2012 hat die Bundesregierung die private Altersvorsorge für außerordentlich wichtig erklärt. Die Bürger sollen einen Teil ihres Einkommens in private Renten, Wohneigentum oder Fonds investieren, um im Alter über genügend finanziellen Spielraum zu verfügen. Das geschieht teilweise mit staatlicher Förderung, so wie das bei der Riester-/Rürop-Rente der Fall ist. Die Hinwendung zur kapitalgedeckten Altersvorsorge hat den gesamten Prozess (Niveauabsenkung) beschleunigt. Einerseits sollen Arbeitnehmer maximal einen Beitrag von 22 Prozent zahlen, wie von der Schröder-Regierung beschlossen, andererseits muss der Riester-Sparer einen zusätzlichen Beitrag von 4 Prozent zu seiner Riester-Rente bezahlen. Letzten Endes gelangt Geld, das der stattlichen Rentenversicherung fehlt, in die Privatversicherung. Wenn mehr und mehr Menschen im Alter Leistungen in einer Höhe erhalten, die in der Nähe der Sozialhilfe liegen, hat sich die beitragsfinanzierte Rente aus rein logischen Gründen schon überlebt. Immerhin erspart die Auszahlung von Sozialhilfe den Beteiligten, dass sie den Umweg über Arbeit und Beitrag nehmen müssen.

Ob der Systemumstieg von der Umlage zur Kapitaldeckung gegen eine demografische Entwicklung immun ist, darf bezweifelt werden. Immer dann, wenn der Privatversicherung die neuen Kunden (Beitragszahler) ausgehen, kommt dieses System wie jedes andere auch ins Schleudern. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass Kapitaldeckung und Sicherheit auch nicht in jedem Fall aufgehen. Ohne staatliches Eingreifen wären die von einigen Banken (zum Beispiel Commerzbank) eingesammelten Riester-Gelder für spätere Rentner schon lange verloren. Betrachtet man die Blümsche Aussage (Renten sind sicher) von allen möglichen Seiten (Umlage und Kapitaldeckung), dann kann der Staat eine Altersversorgung besser garantieren, wenn auch nur auf Sozialhilfeniveau oder leicht darüber. Sollte der Staat zahlungsunfähig werden, trifft das Privatversicherungen in gleicher Weise.

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